Chronik des Ortes

... aus alter Zeit

Geschrieben um das Jahr 1923 von Lehrer Sirot aus Schrepau

Priedemost, das wegen der Beschäftigung der Bewohner mit dem Anbau von Gemüse, namentlich Zwiebeln, weit über den Kreis Glogau hinaus bekannte, etwa 7 - 8 km südöstlich von der Kreisstadt Glogau gelegene Dorf, hat seinen Namen von seiner Lage. Priedemost ist abgeleitet von Przedmost = vor der Brücke. Nach mehrfachen Veränderungen Predmost, Priedom ist endlich der Name Priedemost entstanden.

Weit, weit zurück, viele Jahrhunderte in der Zeitenstrom zurück, finden wir hier schon eine menschliche Siedlung. Das frühere alte Priedemost hat jedenfalls in der Nähe des Wall- oder Schlossberges auf den heutigen Neuländern gelegen. An der äußeren östlichen Grenze des Priedemoster Geländes, am linken Ufer des Schwarzgrabens, befindet sich eine immerhin ansehnliche kreisförmige Erderhöhung, der Wall-, auch Schlossberg genannt. An der Süd- und Westseite sind noch Spuren des einst vorhandenen Wallgrabens wahrzunehmen. Der Berg neigt sich sanft von Süden nach Norden. Auf dieser Fläche soll in früherer Zeit ein Schloss des Herzogs von Glogau gestanden haben. Im Jahre 1260 soll ja Priedemost die Residenz Conrads des II. von Glogau gewesen sein, während Boleslaus der Kahle die Befestigung des Schlosses zu Priedom, wie die Sage erzählt, hat vornehmen lassen. Die hohe Südhälfte des Berges hat früher nicht weit von der Umgrenzung eine scharf in die Augen fallende, einer großen Grube ähnlichen Einbuchtung gezeigt. Ob dies ehemalige Kellereien des Schlosses gewesen sind? Wer weiß es! Vor noch 40 Jahren fanden die Eigentümer des Berges beim Pflügen Mauerreste vor, ein Zeichen, dass hier sicher Baulichkeiten gewesen sind. Ein früherer, heute noch in gutem Andenken stehender Lehrer von Priedemost, Johannes Mehrle, hat im März 1884 die Mauerreste, wie er sagte: ”mit der Schippe in der Hand” untersucht. Er fand rötlich gefärbten Boden vor und stellte mit Sicherheit fest, dass um die ganze Erhöhung eine Mauer gewesen sein muss. Rundherum wurden Nachgrabungen vorgenommen und überall stieß man in ganz geringer Tiefe auf roten, von zerfallenden Ziegeln herrührenden Schutt. Ein Steinfundament war aber an keiner Stelle zu entdecken. Auch um die grubenartige Vertiefung wurde beim Nachgraben Ziegelwerk in aufgelöstem Zustande wahrgenommen; selbst Kalkmörtelteilchen waren bemerkbar.

Ebenso wurde ein größeres Stück verkohltes Eichenholz und Holzkohlenteile vorgefunden. Der Besitzer eines Teiles des Wallberges wusste sich auf dergleichen Holzfunde, die man wiederholt gemacht, zu entsinnen. Nach diesen Feststellungen ist wohl keineswegs an ein festes Schloss oder eine Burg zu denken; vielmehr weisen diese Funde auf einen leichten Holzbau, auf Ziegelfundament hergestellt, hin. Vielleicht waren es Überreste eines Jagd- oder Sommerschlosses der Glogauer Piasten. Da der Wallberg in der Ebene liegt, darf wohl mit Sicherheit angenommen werden, dass er durch Menschenhände aufgeschüttet worden ist. Früher fand man zahlreiche Urnenscherben mit wellen- oder zickzackartiger Verzierungen, aber an ein auffinden ganzer Urnen konnte sich niemand entsinnen. Man hat beim Umpflügen und Umgraben die Urnen sicher achtlos zerschlagen und zertreten. Auch verkohlte Knochenreste hat man früher hier sehr zahlreich gefunden. Weiter wurde durch Nachfragen bei alten Besitzern festgestellt, dass man früher bei Feldarbeiten auf Steinpflasterungen gestoßen sei, die man, weil hinderlich, einfach entfernt habe. Der Wallberg bei Priedemost gehört, wie Blaschke in seiner Geschichte der Stadt Glogau und des Glogauer Landes bemerkt, zu den größten Burgwällen Schlesiens.

In der Nähe des Zusammenflusses des Schwarz-, Neu-, und Mühlgrabens lag im Wiesengrunde der „Weinberg”. Auch er war ein von Menschenhand aufgefüllter Hügel, aber von weit geringerem Umfange als der Wallberg. Zu dem Namen „Weinberg” mag er gekommen sein, weil in früheren Zeiten jedenfalls auf ihm Wein angebaut worden ist. In vielen Gegenden Schlesiens führen ja geringere Erhöhungen diesen Namen. Auch auf ihm soll einst ein Schloss gestanden haben und tatsächlich hat man bei Entnahme von Boden verkohlte eichene Balken und senkrecht in die Erde eingerammte eichene Pfähle gefunden. Aber Urnenscherben oder gar Urnen hat man hier nie entdeckt. Nach der Sage soll auch das Schloss auf diesem Berge einem Glogauer Herzoge gehört haben. Beide Berge, Schloss- und Weinberg, sollen durch eine lange Brücke miteinander verbunden gewesen sein. Einmal soll man diese Brücke in frevelhaftem Übermute im Sommer mit Mehl oder Salz bestreut und eine Schlittenpartie veranstaltet haben, und als Strafe für die Verwüstung dieser Gottesgaben sollen beide Schlösser untergegangen sein.

Herzog Heinrich V., auch der Eiserne genannt, erhielt von Kaiser Karl IV. im Jahres 1355 die Hälfte des Allodiums Priedemost. Kaiser Karl IV. war ein Jugendfreund Heinrichs. Später wurden aus Freunden Feinde, die miteinander im erbitterten Kampfe lagen. Schließlich erfolgte Versöhnung. Heinrich wohnte sogar der Krönung Karls zum Kaiser bei, unterzeichnete die goldene Bulle mit und nahm am Einzug Karls in Breslau teil. 1641, im dreißigjährigen Kriege, verschanzten sich die Schweden bei Priedemost. Am 20. September 1759 schrieb Friedrich II. von der Niederlausitz aus an General Foque bei Landshut: mein Bruder Heinrich hat 12000 Österreicher durchgelassen, die sich bei Christianstadt mit den Russen vereinigt haben. Sie wollen Glogau belagern, und ich eile gleichsam im Fluge dahin, um es zu verhindern, aber ich bin schwach, habe nur 24000 Mann, Leute die zweimal geschlagen sind; wenn es angeht, so schicken Sie mir Hilfe; der Trupp kann auf Priedemost marschieren. Im Jahre 1788 besuchte Friedrich Wilhelm II. mit dem Kronprinzen, dem König Friedrich Wilhelm III., Schlesien. Auf dieser Reise kamen beide nach Glogau und bei der Weiterreise durfte der städtische Hegemeister den König bis Priedemost begleiten.

In den Befreiungskriegen hatte Priedemost viel zu leiden. Die Franzosen waren Herren der Festung Glogau und der Umgegend. Auch hier in Priedemost waren Franzosen einquartiert, und es brach unter ihnen die sogenannte hitzige Krankheit, wohl das Nervenfieber, aus. Infolgedessen mußten sechs lazarettähnliche Einrichtungen getroffen werden. Viele starben und mancher Franzose liegt in den Gärten von Priedemost bestattet, bis endlich ein besonderer Begräbnisplatz für sie, in der Nähe der früheren Körbermühle, der heutigen Peukertschen Kapelle gegenüber, angelegt wurde, und bis in die vierziger Jahre sollen noch einige Holzkreuze vorhanden gewesen sein. Heute führt der Weg vom Dorfe nach der Chaussee über den ehemaligen Franzosenfriedhof, und nur wenige wissen, daß hier ehemalige Feinde dem Auferstehungstage entgegenschlummern. (Pferde-Schinderwiese)

Endlich nahte Erlösung. Die Russen setzten bei Köben und Steinau über die Oder und näherten sich über Gramschütz und Priedemost Glogau. Die Franzosen zogen sich nach der Festung Glogau zurück und wurden darin eingeschlossen. Als General Schuler von Senden die Blockade von Glogau übernahm, wurde die Festung beschossen, und das Feuer wurde von der Festungsartillerie ebenso erwidert. Am 2. April 1813 brannte ein großer Teil von Priedemost nieder.

Nachstehend folgen die Namen der Grundherren von Priedemost – Rettkauer Anteile, soweit sich dieselben aus den Konfirmationen der Kaufbriefe verfolgen läßt: 1664 Balthasar von Burwitz, 1730 Joh. Christ. Freiherr von Gillern, 1757 Jos. Ant. Freiherr von Gillern, 1765 Maria Franziska, verwitwete Freyin von Gillern, geb. Gräfin Osteschau, 1784 Friedrich Adolf von Kalckreuth, 1792 Karl von Bojanowo-Bojanowsky, 1808 Graf von Hardenberg. Im 19. Jahrhundert wurden die drei Gemeinden vereinigt und von dem Erbschulzen verwaltet. Später wurden auch die Verpflichtungen der Erbscholtisei abgelöst und die Gemeinde konnte sich einen Schulzen wählen.

Über den Bildungsgang in früherer Zeit will ich folgendes mitteilen: Als im Jahre 1774 die Verhandlungen über die Verteilung des Hutungslandes ihren Abschluß fanden, es waren 140,6 Morgen verteilt worden, konnten von den Besitzern aus dem Amtsteil von 16 Bauern 3, von 33 Gärtnern 20 und von 48 Häuslern 44 nicht schreiben. Im Rettkauer Anteil konnten von 7 Bauern einer nicht schreiben, und von den 5 Gärtnern konnte keiner Unterschrift leisten. Anders war es im Kapitularanteile. Hier vermochten die 4 Bauern und der eine Häusler sämtlich zu schreiben.

Fast in der Mitte des Dorfes, in der Nähe der Erbscholtisei, befindet sich ein Turm, dessen unterer Teil zu einer Kapelle ausgebaut ist, von einem früheren Besitzer der Erbscholtisei, Heinrich Hoffmann, erbaut. Im Laufe der Zeit ist der Turm in das Eigentum der politischen Gemeinde übergegangen. Über der Eingangstür ist eine Sandsteintafel mit der Inschrift angebracht worden: ”Anno 1689 ist dieses Werk mit Erlaubnis meiner gnädigen Herrschaft Gott und der Obrigkeit zu Ehren und mir einem immerwährenden Gedächtnis von mir Heinrich Hoffmann, derzeit Erb- und Gerichtschulz erbaut von meinen eigenen Unkosten.” Der Turm hat eine Glocke mit der Inschrift: Heinrich Hoffmann Erb- und Gerichtschulz in dem Amtsdorfe Priedemost ließ mich Gott zu Ehren und ihm zum Gedächtnis giessen Fusa Joachim Hanibal pro A 1689. Deo Gloria soli!

Die Glocke ist noch verziert mit den Bildern Christi am Kreuze mit Maria Magdalena und Johannes. Gleichzeitig liess Hoffmann eine Uhr anbringen „die sowohl der ganzen Gemeinde, wie auch der Reisenden zu einer gewissen Richtschnur bey Tag und Nacht” sein soll. Ein Mann, Kaspar Simon, wurde gehalten, der gegen Lohn, das Werk stellte. Dafür wurde ihm ”das rasse Fläkel zwischen der Canne und Burker Granzen von alter her benannt von Torms Finkeherde bis an den Niederbusch” wie es in der Urkunde vom 24. Februar 1698 heißt, zur Nutznießung überwiesen.

Im vorigen Jahre (Nummer 10, Unsere schlesische Heimat, Beilage des „Niederschlesischen Anzeigers” vom 4. Oktober 1922) hat man den Turm, der im Laufe der Zeit schon recht schadhaft geworden war, unter Aufwendung bedeutender Mittel durch den Glogauer Baumeister Michael erneuern lassen. Dabei wurde das Mauerwerk bedeutend erhöht und die Bedachung gänzlich erneuert. Der Kapellenraum ist leider durch Bemalung und Anbringung von Inschriften durch unnütze Hände völlig verunstaltet worden, so dass die früher vorhandenen Malereien nicht mehr recht zu erkennen sind. Man beabsichtigte diesen Raum zu einer Gedächtnishalle für die im Weltkriege dahingeschiedenen Priedemoster Helden umzugestalten. Ein glücklicher Gedanke, der, wenn man die Ausführung in geeignete Hände gelegt hätte, eine würdige Ehrung der Gefallenen dargestellt haben würde.

Am Eingange ins Dorf von der Chaussee aus in Brands Gasse stehen zwischen Linden ein hölzernes Wegekreuz und 2 Kreuze aus Sandstein. Letztere sind sehr alt. An dieser Stelle sollen im dreißigjährigen Kriege sich zwei Offiziere erstochen haben. Nach anderer Darstellung erinnern sie an den Tod zweier Handwerksburschen, die sich gegenseitig hier erschlagen.

Auf dem Wege von Glogau nach Hochkirch sind 15 Bildstöcke errichtet; 2 derselben liegen auf Priedemoster Gelände. Die Bilder in denselben haben leider durch die Einwirkung der Witterung derartig gelitten, dass einige schon ganz unkenntlich geworden sind. Früher waren in den Bildstöcken Sandstein-Skulpturen eingelassen. Bilder und Skulpturen stellten die 15 Geheimnisse des Rosenkranzes dar. Ursprünglich wurden diese Bildstöcke von dem Landeshauptmann von Glogau, George, Abraham von Dyrhen, Herrn auf Ober Herzogswalde, Dyrhenfurt, Wahren und Gloschkau im Jahre 1660 erbaut.

Mit der Entstehung der Festung Glogau kamen auch für Priedemost ruhigere Zeiten. Jedenfalls hat aber Priedemost des Krieges Ängste und Nöte reichlich durchkostet! Eines Vorkommnisses aus dem Jahre 1848 sei aber hier noch gedacht. Dieses Jahr ging an der Bewohnerschaft von Priedemost nicht ruhig und spurlos vorüber. Zwei Männer – die Häusler Grunwald und Schulz – hatten sich als politische Führer des Dorfes aufgeworfen. Einstmals gaben sie vor, zum König nach Berlin reisen zu wollen, um die Wünsche der Gemeinde persönlich vorzutragen. Nach längerer Abwesenheit kehrten sie zurück, ob sie Berlin gesehen haben, ist zweifelhaft geblieben, sie trugen schwarz-rot-goldene Schleifen im Knopfloch, die sie vom König empfangen haben wollten. Man ging ihnen, da sie ihre Ankunft bzw. Rückkehr angemeldet hatten, bis zur Körbermühle entgegen und führte sie unter Musikbegleitung ins Dorf ein. Sie zogen von Gasthaus zu Gasthaus und erstatteten dort Bericht über ihre Erlebnisse in Berlin. Später wurden beide ihres politischen Treibens wegen mit Gefängnis bestraft.

Priedemost bestand in früheren Zeiten aus 3 Gemeinden:

dem Königlichen Amtsanteile, dem Rettkauer Anteile und dem Kapitular-Anteile, zum Domkapitel in Glogau gehörig. Der Amtsanteil umfaßte den größten Teil des Dorfes. Der herrschaftliche Besitz in ihm bestand aus 2 Vorwerken, dem Amtsvorwerk im Dorfe dem ehemaligen Amtshauptmannssitze, und dem Vorwerk Wilhelmsau. Im Amtsteil waren 1784 vorhanden: eine Erbscholtisei, eine Zweihüfner Bauernnahrung, sechs Einhüfner, drei Halbhüfner, drei Viertelhüfner, sechsundzwanzig Ganzgärtner, vier Halbgärtner, ein Zweidrittel- und ein Eindrittelgärtner, zwei Freigärtner, vierunddreißig Kutschner, drei Kleinkutschner, zwölf Freikutschner und eine Wassermühle. Der Rettkauer Anteil erstreckte sich über die westliche Häuserreihe vom Turm bis zum „weißen Roß” und enthielt sieben Bauern und fünf Gärtner. Zum Kapitularanteile gehörte ein Teil der Krämer- und der hohlen Gasse, vier Bauern und ein Häusler. Jeder Teil wurde von einem besonderen Ortsgerichte verwaltet, an dessen Spitze je ein „Schulze” stand. Im Amtsanteil war das Schulzenamt erblich; der jedesmalige Besitzer der Erbscholtisei verwaltete dieses Amt. Die anderen beiden Schulzen wurden von den betreffenden Grundherren gewählt. Die Schulzen hatten für ihre Bemühungen bestimmte Vorrechte. Der Erbschulze war frei von allen Hofediensten. Der Rettkauer Schulze erhielt pro Quartal 4 Taler und ein Faß Bier. Außerdem waren „Schulze und Gerichte” befreit von allen Gemeindediensten.

Das Dorf Priedemost zählte im Jahre 1756 – 831, im Jahre 1845 – 1109, im Jahre 1858 – 1181, im Jahre 1890 – 1066 und im Jahre 1910 – 1101 Bewohner. Davon ist der größte Teil evangelisch und der kleinere Teil katholisch. Eine eigene Kirche besitzen weder Protestanten noch Katholiken; sie sind nach Gramschütz eingepfarrt. Die Katholiken des Kapitularanteils gehören nach Schrepau; vor Bau der Kirche in Schrepau gehörten dieselben zur Stadtpfarrkirche in Glogau. Früher fehlte beiden Konfessionen ein Friedhof; die Toten wurden in Gramschütz bzw. Glogau bestattet. Seit 1864 haben indes die Protestanten einen eigenen Begräbnisplatz, der ihnen von dem damaligen Bauerngutsbesitzer Neumann geschenkt wurde. Im Jahre 1913 wurde derselbe durch Zukauf von Land nach der Südseite vergrößert. Heute ist auf dem Friedhof eine Begräbniskapelle errichtet, in der auch seitens des zuständigen Pastors Andachten abgehalten werden.

Für Bildung sorgen zwei Schulen: eine katholische und eine evangelische. Das Gründungsjahr der ersten ist nicht genau bekannt, letztere besteht seit 1838. Früher besuchten sämtliche Kinder die Schulen in Gramschütz. Die evangelische hat sich aus einer einklassigen zu einer vierklassigen mit 3 Lehrern entwickelt. Leider fehlt ein 3. Klassenzimmer, so daß ein geordneter Schulbetrieb unmöglich ist; unter den heutigen Verhältnissen ist auch an einen Schulneubau (erfolgte 1925) nicht zu denken. Die katholische Schule ist noch heute einklassig. Für die evangelische Schule war das Jahr 1896 ein Glücksjahr. In Nr. 96 vom 24. April 1896 brachte der „Niederschlesische Anzeiger” einen Auszug aus dem Testament eines geborenen Priedemosters, der in Berlin eine zweite Heimat gefunden und es dort zu bedeutendem Vermögen gebracht hatte. In diesem Testament, das vom 18. Juli 1891 datiert ist, heißt es: ”Als ich Johann Gottfried Sucker, zur Zeit Berlin, Cöllnischestrasse Nr. 13 wohnhaft, vor nunmehr beinahe siebzig Jahren in Priedemost lebte, war der Unterricht in der Dorfschule nur sehr dürftig und man nahm von dorther nur äußerst geringe Kenntnisse ins praktische Leben mit hinüber. Das habe ich in meinem thatenreichen und schaffensfreudigen Leben oft bitter genug an mir erfahren und schwer beklagen müssen. Daher will ich, nachdem meine Kinder alle vor mir verstorben sind, ich auch meine Frau verloren habe, und gar keine Noterben besitze, jetzt einem langjährigen Herzenswunsch entsprechend, meine Hinterlassenschaft dem Zwecke einer thunlichst gedeihlichen Entwicklung des Schulwesens in meinem Heimatdorfe Priedemost bei Glogau in Schlesien nutzbar machen.

Das dieser Zweck erreicht werde, das walte Gott”. Der Erblasser erklärt darauf zu seiner Universalerbin die Dorfgemeinde Priedemost. Sucker besaß zur Zeit seiner letztwilligen Verfügung drei Grundstücke, ein schuldenfreies Hausgrundstück in Berlin, Cöllnischestrasse 13, sowie zwei Baustellen am Ostbahnhofe zu Berlin und hinter dem schlesischen Busch auf den Rixdorfer Wiesen, und endlich eine Bibliothek. „Die Revenüen meines Vermögens sollen zur Verbesserung der Lehrmittel der Priedemoster Dorfschule, zur Anschaffung von Turngerät usw., sowie insbesondere zur Unterstützung armer, aber fleißiger und begabter evangelischer Kinder von Priedemost verwendet werden” usw. Leider haben die unglücklichen Zeitverhältnisse die Erträgnisse diese Vermächtnisses nahezu bedeutungslos gemacht.

Die Bewohner beschäftigten sich mit Landwirtschaft und Gemüsebau. Namentlich die Gärten werden zum Gemüsebau benützt. Durch den Anbau der Zwiebel ist Priedemost weithin bekannt. Die Priedemoster Gemüsebauern versorgen nicht bloss die Stadt Glogau mit ihren Produkten; ihre Geschäftsreisen dehnten sich vor dem Kriege auf die Wochenmärkte bis nach weit entfernten Orten aus. Heute ist darin ein Wandel eingetreten.

Eine nennenswerte Zunahme der Bevölkerung hat, wie nachgewiesen, Priedemost nicht erfahren. Industrie fehlt, und es ist nicht verstanden worden, seinerzeit Anschluss an das wichtige Verkehrsmittel, die Eisenbahn, zu finden. Die Breslau - Stettiner Bahn durchfährt die Priedemoster Feldmark und nähert sich dem Dorfe bis auf eine ganz geringe Entfernung. Beim Bau der Eisenbahn hat man aber versäumt, sich eine Haltestelle zu sichern und alle späteren Bemühungen eine solche zu erlangen, blieben vergeblich. Nach harten Kämpfen mit einem nicht unbedeutenden Teile der Bevölkerung wurde endlich die Pflasterung der Dorfstrasse vorgenommen und am 18. März 1894 mit den Schacht- und Pflasterungsarbeiten begonnen. Die umfangreiche Arbeit, 17.208,08 Quadratmeter waren zu pflastern, wurde von dem Straßenbauunternehmer Paul Kirschmarsky in verhältnismäßig kurzer Zeit zu Ende geführt.

Der furchtbare Weltkrieg mit seinen schrecklichen Auswirkungen ging auch an Priedemost nicht spurlos vorüber. Gegen 150 Mann verließen in den ersten Augusttagen 1914 ihre Friedensarbeit, um dieselbe mit einem blutigerem Handwerk zu vertauschen, um sich dem Dienste des Vaterlandes zu widmen. Ach viele, viele von denen, gegen fünfzig sind es, die damals und in der Folge gerufen wurden, kehrten nicht mehr wieder; sie ruhen in fremder Erde; vielen schaufelten lieblose Hände, feindlich gesinnte Herzen das Grab und senkten sie hinab zum ewigen Schlummer. Die Hoffnung, der Stolz und die Stütze mancher Familie sahen nicht mehr die Heimat. In den langen Jahren des Krieges zeigte das Dorf oft wochenlang ein militärisches Gepräge, weil mit reicher Einquartierung belegt.

Hoffen wir, dass die trübe, schwere Gegenwart bald einer sonnenreichen, glücklichen Zukunft weiche und das jeder an seinem Platze und mit allen seinen Kräften mitarbeite nicht bloss zum Wohle seiner engeren Heimat, sondern des ganzen großen Vaterlandes und Gemeinschaftssinn einkehre, statt des sich auch hier oft bemerkbar machenden Ichgedankens.