Ortsbild vor 1945

Betriebe im Dorf

Die Schmieden

Von den beiden uns ältesten Priedemostern noch bekannten Schmieden sei zunächst die Kiersch-Schmiede am Glockenturm genannt. Der Altmeister Wilhelm Kiersch verstarb 1916 und hinterließ den Betrieb und die damit verbundene kleine Landwirtschaft seinem Sohn Arthur, der die Schmiede vorübergehend stilllegte, aber die Landwirtschaft weiter in Betrieb hielt. Um 1920 fanden sich mit den Brüdern August und Richard Gubisch zwei Pächter für die Schmiede, denen dann um 1926 Bruno Jakob und sein Schwager Nowak, aus Zerbau kommend, folgten. Diese gaben jedoch die eigentliche Schmiedearbeit mehr und mehr auf und führten fast nur noch Schlosserarbeiten aus, reparierten Fahrräder und Nähmaschinen und handelten nebenher mit Neu-Fahrrädern. Dabei blieb es bis 1945.

Die Fischbach-Schmiede (Bild von 1903) war die älteste und bis 1945 voll in Betrieb befindliche Schmiede in Priedemost. Von einem Vorbesitzer Grundmann ging sie um 1870 in den Besitz von Ernst Fischbach über. Dessen Sohn Richard übernahm den Betrieb 1901, er war der Meister, den unsere Generation als den Fischbach-Schmied und unsere Väter als einen gewitzten Skatspieler kannten. Im Jahre 1940 ging der Betrieb in die Hände des zweiten Sohnes Otto über, der ihn bis 1945 leitete. In dieser Zeit beschäftigte Meister Otto Fischbach wie bereits sein Vater zwei Gesellen und zwei Lehrlinge, die zumeist Priedemoster Jungs waren; aber auch Auswärtige aus den verschiedensten Orten des Kreises Glogau suchten hier ihre Berufsausbildung.

Fischbach Schmieder
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Ein kleiner Schmiedebetrieb, einst im Mitteldorf gelegen, sei auch der Vergessenheit entrissen, der in unserer Kinderzeit eigentlich nur noch in der Namensbezeichnung weiterlebte, das war die Otto-Schmiede. Den Mitteilungen eines Verwandten der Familie Otto ist zu entnehmen: der älteste noch festzustellende Inhaber dieser Schmiede, Ernst Otto, hatte sie noch als öffentlichen Betrieb bis etwa 1890 geführt. Er arbeitete dann aber nur noch für den Eigenbedarf, ebenso hielt es sein Sohn Albert (1876 – 1956). Dessen Sohn Erich, verstorben 1944, erlernte ebenfalls das Schmiedehandwerk, beschaffte bereits neue Einrichtungen mit der Absicht, den Betrieb wieder zu eröffnen. Diese Absicht kam dann wegen des Kriegsausbruchs 1939 nicht mehr zur Ausführung.

War das Arbeitsgebiet der Schmiede zunächst, wie es die Zeitverhältnisse ergaben, die Herstellung und Reparatur von landwirtschaftlichen Geräten, wie Pflüge, Eggen usw., dabei aber auch besonders der Hufbeschlag (zeitweilig wurden hier bis 140 Pferde aus Priedemost und Beuthnig betreut), so kam mit der Vorwärtsentwicklung der Zeit ab etwa 1913 Reparatur und Handel mit Landmaschinen hinzu. Als ab 1913 die Zimmerling’sche Dampf- und Wassermühle auch elektrischen Strom erzeugte, kamen die uns allen noch bekannten Blasebälge nach und nach außer Betrieb, und für diese sowie die Beleuchtung bezog man nun den Strom von der in nächster Nachbarschaft gelegenen Mühle. Mit dem Anschluss des Dorfes an die Überland-Stromversorgung 1921/22 wurden die Schmiedeeinrichtungen voll elektrisiert.

Erwähnenswert ist, dass – obwohl hier um 1934 die ersten Traktoren (auf den Höfen Alfons Müller, Pachmann, Peukert) in Betrieb genommen wurden und zuletzt etwa 60 Dreschmaschinen innerhalb des Fischbach’schen Kundenkreises im Gebrauch und damit zu betreuen waren – ein Rückgang bei der Zahl der Pferde kaum spürbar wurde und noch immer die schmiedemäßige Fertigstellung landwirtschaftlicher Fahrzeuge zum Arbeitsprogramm der Schmiede gehörte. Lediglich bei den Lokomobilen, die noch um 1920 auf einzelnen Höfen Lohndrusch ausführten, war ab 1923 ein deutlicher Rückgang zu spüren. 

Kriegszeiten brachten auch Materialnot. Und so war man hier zeitweilig gezwungen, aus Stahlplatten, die man irgendwie erlangen konnte, Streifen zu schneiden und daraus Reifen für die Räder der Ackerfahrzeuge zu formen. Natürlich gab es auch Bezugsscheine für Eisen, aber das damit zu erreichende Material reichte natürlich bei weitem nicht aus. Im Krieg gab es auch einen Mangel an Arbeitskräften; zeitweilig waren in dieser Schmiede zwei russische Kriegsgefangene beschäftigt, bis auch hier das Jahr 1945 aller lebhaften Tätigkeit ein Ende setzte. Wie anderwärts gehörte auch hier ein Pferd und etwas Landwirtschaft zum Betrieb.



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